Ein sehr gutes Thema wie ich finde. Denn ich habe mich selbst damit im letzten Jahr und mit meiner Meinung dazu, bzw. mit der Meinung über mich von anderen, auseinander setzen müssen.

Kurz gesagt meine Familie, (Stiefvater Dachdecker, Mutter Zeitungsausträgerin) war mit dem kleinen Gesamtgehalt und den Ausgaben für 3 Kinder nicht sehr gut gestellt. Wir sparten wo wir konnten und Urlaub oder schicke Klamotten waren schon gar nicht drin. Damals hatte ich mir geschworen niemals wieder so leben zu müssen und habe mir vorgenommen mich soweit es geht zu bilden und eine gut bezahlte Arbeit zu bekommen. Sowie das mein Mann als eventuell kurzfristiger alleiniger Ernährer eben ein ausreichendes Einkommen hat. Auch fand ich das Verhalten und die Waschgewohnheiten meines Stiefvaters plus Bekanntenkreis (alles Handwerker) immer abstoßend und wollte nie einen Handwerker als Partner.
Ich ging meinen Weg machte nach der Ausbildung zur Groß-und Außenhandelskauffrau mein Fabi und ging dann arbeiten, habe in den letzten Jahren am WE studiert und schreibe jetzt an meiner Diplomarbeit. Mein 1. langjähriger Freund hatte auch eine Kaufmännische Ausbildung, der 2. ebenso, der 3. war ein Investmentbanker der sich immer für etwas besseres hielt genauso wie sein bester Freund durch den er sich identifizierte.
Durch diesen 3. Freund und mein Studium hatte ich mir einen Lebensstandard aufgebaut und weiter ausgebaut, der besser war wie der meiner Eltern und eben nicht von jedermann so geführt werden kann bzw. nicht jeden anspricht. Ich gehe gerne ins Theater, die Oper, Konzerte, Museen und liebe gute Bücher, rede gerne über gesellschaftliche und politische Themen etc. Doch in meiner singlezeit besonders nach dem 3. Freund, habe ich feststellen müssen, das meine Vorlieben besonders bei Männern mit Handwerklichem Hintergrund nicht gut ankommen bzw. eher abschreckend wirken oder als lächerlich und hochtrabend gelten. Das Interesse an einer Beziehung derenseits war schon da aber eben nur wenn ich meine Vorlieben aufgebe und die klare Rollenverteilung akzeptiere. Der Mann hat das sagen und die Frau spurt. Vielleicht ist dies auch nur auf die Handwerkliche Männerwelt in meiner näheren Umgebung beziehbar aber das ist eben der Grund weshalb ich schon nachdem mir ein Mann seinen Beruf verraten hatte dem weiteren Gespräch positiv oder negativ gegenüber eingestellt war und dann auch nach einem eher flachen Verlauf eines Gesprächs dem Herrn recht schnell und eindeutig einen Korb gegeben habe. Meine Begründungen das meine Interessen eben andere wären wie die des Korbempfängers wurden mir dann sehr schnell als eingebildet unterstellt und man sagte sich untereinander das man mich erst ab einem gewissen Gehalt ansprechen dürfe.

Tja, wie es so läuft ist genau das Gegenteil eingetroffen. Mein jetziger Freund hat zwar Abitur, arbeitet aber als Dachdecker im Betrieb seiner Eltern. Und obwohl ich recht schnell wusste was er macht war ich ihm und unserem ersten Gespräch nicht negativ gegenüber eingestellt, denn dieses war von Anfang an sehr interessant und überhaupt nicht flach. Auch sein Auftreten ist anders ich möchte nicht sagen gebildeter da mir das zu hochgestochen vorkommt, aber er sagt selbst das er das Verhalten von den anderen Dachdeckern als unterste Schublade empfindet und die sich nicht benehmen können. Daher bin ich froh meinen ganz speziellen Dachdecker gefunden zu haben.