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Thema: ⫸ Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit

14.12.2017
  1. #1
    Unterhaltungskünstler Avatar von Linea
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    Standard ⫸ Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit

    Schon mein ganzes Leben lang habe ich mich viel mit der NS Zeit befasst. Es ist für mich auch sehr wichtig, viel über diese Zeit zu erfahren, so dass ich auch heute noch viel darüber lese usw.

    Gestern Abend haben meine Mann und ich eher zufälligerweise eine Sendung im TV über die "Nazijäger" gesehen. Es ging also um Verbrecher der NS Zeit, meist SS Größen usw. Die "Nazijäger" waren Menschen, die in der Nachkriegszeit diese häufig untergetauchten Verbrecher ausfindig gemacht haben.

    In dieser Dokumentation wurden sehr viele Originalaufnahmen aus den letzten Kriegsmonaten gezeigt. Es war grauenvoll, mein Kopf ist voll mit Bildern und ich finde es schwer, diese loszuwerden. Bilder von der Befreiung mehrerer KZ`s, Bilder von Erschießungen, Folterungen usw.

    Aber eine Originalfilmszene hat mich derartig geschockt, dass ich sofort nach oben ins Schlafzimmer gegangen bin, 10 Min. weinen musste und die Doku nicht weiter schauen konnte.

    Achtung: was ich jetzt hier schreibe ist sehr erschütternd und heftig, man sollte also nur weiterlesen, wenn man dies auch gerade wirklich ertragen kann.

    Ich will es aber schreiben, weil es mich so mitgenommen hat und ich möchte einfach wissen, wie es Euch mit solchen Bildern geht.




    Es wurde in schwarz weiß gezeigt wie einer jüdischen Mutter ihr ca. 3jähriges Kind von einem SS Soldaten aus den Armen gerissen wurde. Das Kind wollte sofort zurück zur Mama und hat fürchterlich geschrien, die Mutter zum Kind, aber sie wurde festgehalten und musste dann mitansehen, wie der Soldat vor ihren Augen ihr kleines Kind erschossen hat.

    Dieser Anblick war so grauenvoll und das Wissen, das diese Ermordung nicht einzigartig war sondern so oft und jeden Tag über fünf Jahre lang wiederholt wurde - das übersteigt wirklich meine Vorstellungskraft. Und natürlich weiß ich auch, dass es solche schrecklichen Ermordungen auch heute noch gibt.

    Wie kann man als Soldat, als Mensch überhaupt so grausam sein? Hatten diese Menschen denn kein soziales Gewissen. Ich weiß nicht, ich verstehe es einfach nicht.

    Klar die Menschen waren damals natürlich indoktriniert, der gesamte Probagandaapparat hatte volle Wirkung gezeigt. Aber hat dieser Soldat das einfach so völlig kaltblütig machen können? Ja hat er! Das ist die einzig wahre Antwort.

    Das Schlimmste daran ist ja, dass lange nicht alle Nazi Verbrecher gefunden worden sind, einige leben noch heute und niemand ahnt was von ihrer Vergangenheit. Auch deshalb schweigen sich ja viele ältere Menschen über die NS Zeit aus.

    Es gab ja mal diesen Film "Schindlers Liste". Ich habe ihn nur zur Hälfte schauen können, weil er mich dann zu sehr mitgenommen hat. Hat ihn jemand von Euch bis zum Ende schauen können?

    Ich würde mich über einen kleinen Austausch freuen!

    LG
    Ulla


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  2. #2
    Experte Avatar von n8eulchen
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    Standard ⫸ AW: Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit

    Hallo Ulla,

    auch ich beschäftige mich viel mit dieser Zeit, vor allem auch, weil meine Eltern damals Kinder waren und mir auch einiges erzählen konnten.

    Und solche Bilder lösen auch bei mir Entsetzen und Trauer aus und ich bin froh, dass ich nicht in dieser Zeit gelebt habe!

    Ich kann auch nicht verstehen, wie Soldaten zu solchen Taten fähig sein konnten bzw. können - aber es gibt ja auch heute "Menschen", die kleine Kinder umbringen und quälen (wie ich z.B. vor kurzem in der Zeitung gelesen habe, dass ein Mann seinen 2jährigen Sohn so oft mit dem Kopf an die Wand geschlagen hat bis er tot war). Ich kann mir also nicht vorstellen, dass es nur an der Gehirnwäsche lag, sondern dass diejenigen einfach geistesgestört waren.
    Schindlers Liste habe ich auch gesehen und er war schon äußerst harter Tobak (die schlimmsten Szenen waren übrigens am Anfang).

    Leider konnte man nicht alle Nazi-Verbrecher dingfest machen und manche wurden nach dem Krieg sogar Ehrenbürger oder hatten hohes Ansehen. Deshalb finde ich es auch traurig, dass die Gesellschaft nichts aus der Vergangenheit gelernt hat, im Gegenteil - die Anzahl der Rechtsradikalen steigt und ich glaube, Hitler hätte auch heute eine Chance!

  3. #3
    Unterhaltungskünstler Avatar von Linea
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    Standard ⫸ AW: Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit

    Ich hoffe noch auf ein paar mehr Antworten, mich interessieren Eure Gedanken dazu!

    Danke N8eulchen für Deine Antwort! Meine Eltern haben den Krieg auch erlebt, allerdings erzählen sie nicht viel darüber. Mein Vater war in Indien interniert und meine Mutter hat ihn in HH und in Ostpreußen den Krieg überlebt. Sie hat nur mit ganz viel Glück überlebt, wurde ausgebombt etc. Ihr Vater ist vermißt...bis heute hat sie sehr an diesen Ereignissen zu arbeiten.

    Es ist glaube ich doch zu einfach zu sagen, dass diese Menschen geistesgestört waren. Ich glaube sie waren echt so davon überzeugt, dass es minderwertiges Leben gab, dass sie diese Menschen vorsätzlich und geplant umgebracht haben. Und dann sind sie nach Hause gegangen und haben ihren Kindern Gutenachtgeschichten vorgelesen. Geistesgestört würde ja bedeuten, dass sie in irgendeiner Form psychisch krank waren und das glaube ich nicht.

    Das mit dem Mann, der sein Kind gegen die Wand geschlagen hat, bis er tod war ist auch wirklich grauenvoll. Aber da glaube ich eher an eine "Geisteskrankheit".

    Eben gerade habe ich das Heute Journal gesehen, es ging noch mal um das NPD Verbot. Ich finde es unfassbar, dass eine Partei, die Nazi Parolen skandiert erlaubt ist und auch noch jährlich eine Millionen Euro vom Staat bekommt. Hier: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/...597353,00.html

    Sowieso finde ich es sehr bedenklich wieviele Übergriffe auf ausländische Mitbürger stattfinden. Das Meiste bekommen wir ja gar nicht mit, die kleineren Übergriffe werden ja gar nicht in den Nachrichten gebracht. Da muss erst so etwas Schlimmes wie in Mügeln passieren muss.

    Ich weiß nicht, ob Hitler heute eine Chance hätte, allerdings muss man nur in meine Heimatstadt Hamburg schauen. Der Ronald Schill hatte ja eine Zeitlang wirklich viele Stimmen und dadurch auch viel Einfluß, ABER er wurde auch schnell wieder abgewählt!

    LG
    Ulla

  4. #4
    Erfahrener Vielschreiber Avatar von Tanja75KR
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    Standard ⫸ AW: Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit

    Hallo!

    Bei mir ist es so, daß ich eine zeitlang (als Teenie) das Thema nicht mehr hören konnte. Wir wurden in der Schule in jedem Schuljahr zeitgleich in mindestens 3 Fächern (Religion, Politik und Sowi) mit dem Thema bombardiert. Schade, denn es wurde zwar intensiv, aber trotzdem uninteressant immer wieder widergekäut. Vielleicht war das nur bei unseren Lehrern so, aber mir hat es echt das Interesse für lange Zeit geraubt...

    Mittlerweile habe ich doch mal wieder einige Artikel und Bücher zu dem Thema gelesen, die um Längen anschaulicher und interessanter waren und mich wieder etwas intensiver mit dem Thema auseinander gesetzt, weil ich denke, daß es wichtig ist zu wissen was gelaufen ist. Von meine n älteren Verwandten (von denen heute leider keine mehr leben) haben nur mein Großonkel und seine Frau mehr über die Zeit erzählt, und da war ich leider noch zu klein. Aus Erzählungen weiß ich aber, daß sie Hitler am Anfang nicht so schlecht fanden, weil er für Arbeit gesorgt hat und die meisten seiner Argumente wohl einfach plausibel klangen. Man hat "einfach mitgemacht".

    Sie haben sich sehr dafür geschämt, daß sie nicht mehr hinterfragt haben, aber ich glaube, daß man schnell von den Massen mitgezogen wird, wenn man nicht sehr politisch interessiert ist, und das ist wohl ein Großteil der Bevölkerung auch heute. Ob alle soweit gehen würden zu töten oder so ein Massentöten zu unterstützen wage ich zu bezweifeln, aber z.B. hätten viele bestimmt nichts gegen das groß angelegte Ausweisen von Ausländern "die uns ja die Arbeit wegnehmen" usw. Man müsste das nur geschickt verpacken und schon hätte man einige "richtige" Deutsche auf seiner Seite.

    Den Film "Schindlers Liste" haben wir in der Schule sehen "müssen". Ich habe Rotz und Wasser geheult und am meisten, weil hinter uns eine Horde jugendlicher Halbstarke saß die es "total Sch..." fanden, daß der "Müll" in schwarz-weiss lief und "total geil" wie der "Alte" vom Balkon aus erschossen wurde. Die wurden dann des Saales verwiesen und bekamen ordentlich Ärger, aber erschreckend war es allemal, daß es heute noch Jugendliche gibt die so wenig soziales Gewissen haben, daß man ihnen glatt zutrauen würde unter dem entsprechenden Regime auch alles zu machen, was ihnen eingetrichtert würde.

    Ich hoffe und bete, daß die Bevölkerung heute trotzdem stark genug ist, nicht wieder auf solches Gerede reinzufallen und sich stark macht für Menschenrechte. So etwas darf wirklich nicht noch einmal passieren!!!

    Lg
    Tanja

  5. #5
    Forumsüchtig Avatar von sunrise
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    Standard ⫸ AW: Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit

    Hallo Ulla!

    Alleine gerade beim Lesen der Szene hatte ich Tränen in den Augen.

    Ich finde es auch absolut unglaublich grausam was damals passiert ist, ich denke das sieht auch jeder normale Mensch mit ein wenig Verstand so.
    Ich bin aber trotzdem genervt von dem noch immer vorhandenem schlechten Gewissen der Deutschen. Unsere Generation hat mit dem damaligem Geschehen doch nun wirklich nichts zu tun. Ich finde es traurig, dass wir Deutschen es auch noch immer aufs Butterbrot geschmiert bekommen, dass 6 Millionen Juden vergast worden. JA, es ist schlimm, aber anstatt immer in die Vergangenheit zu schauen sollte man besser dafür sorgen, dass sowas nicht mehr in der Zukunft passieren wird. Wenn eine Barbara Streisand Jahrelang keine Konzerte in Deutschland gegeben hat, weil sie Jüdin ist frage ich mich echt, ob das denn sein muss?!

    Ich habe heute im www übrigens einen Trailer zu einem Kinofilm geshen, der mit den ganzen Vorurteilen gegenüber Ausländern und Juden super umgeht. (Leroy räumt auf) .

    LG, Miriam

  6. #6
    Moderator
    Alles wird gut... Avatar von claudi181
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    Standard ⫸ AW: Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit

    Huhu,

    Ich bin da irgendwo dazwischen. Ich musste in der Schule (3 Jahre lang in der Gesamtschule und dann noch nochal 1 Jahr lang auf der Oberstufe - wir haben dort sogar einen Film gedreht, der im Kino lief) mich mit dem Thema Auseinandersetzen. Ich weiss, es ist etwas vor dem man nicht die Augen verschliessen sollte, aber wenn man mehr oder weniger 4 Jahr am Stueck diese Zeit durchkaut, hat man davon tatsaechlich irgendwann die Schnauze voll und will davon gar nichts mehr hoeren.
    Ich verstand nie den Sinn, warum man Schuelern 3 Jahre lang auf einer Schule dieses Thema immer wieder vor Augen halten musste und dann bekomm ich es auch noch in der 11. Klasse nochmal, das was auf dem Lehrplan stand in teressiert gar nicht und somit hatte unsere Klasse den entsprechenden Stand als wir in die 12. Klasse kamen und den ersten Geschichtsunterricht hatten.

    Ich sehe es auch wie Miriam...es ist ein Teil der deutschen Vergangenheit, aber dennoch hab ich manchmal das Gefuehl, dass es einem deutschen schwer gemacht werden soll, bloss nicht zu deutsch zu sein. Vielleicht machen wir uns Deutschen es vielleicht selbst zu schwer...bestes Beispiel die WM letztes Jahr. Vor 2 Jahren haette doch kein Mensch daran gedacht sich 'ne deutsche Flagge an den Balkon zu haengen oder ans Auto. Und das, obwohl die deutsche Flagge noch nicht mal irgendetwas mit der Vergangenheit unseres Landes zu tun hat.

    Es ist nicht so, dass es mir egal ist...das gar nicht, falls das jemand denkt. Nur denk ich, nuetzt es wenig immer wieder in der Vergangenheit herumzustochern und zu vergessen, dass in der Zukunftetwas getan werden muss, damit so ein Gedankengut nicht wieder aufkommt. Angefangen bei den Jugendlichen, die sich schon lange vor Eintritt der Volljaehrigkeit aufgegeben haben....

    Ich wage zu bezweifeln, dass ein Hitler, wie es ihn damals gab wieder Chancen haette. Ich glaube, daraus haben schon einige gelernt. Ungefaehrlichere Nachfolger koennten es da einfacher haben...

    Verbot der NPD oder anderen rechten Parteien...Tja, auf der einen Seite wuerde ich auch sage, weg damit. Sowas duerfte nicht sein, aber ich moechte mir nicht ausmalen, was passieren kann, wenn diese Parteien verboten werden und dann einfach im Untergrund ihre Ideen weiter durchbringen wollen, wo sie dann keiner mehr kontrollieren und ggfs. einschreiten kann.

    Ich denke, wir Deutschen haben es alles in der Hand. Ich habe letztes Jahr einen Bericht gesehen zur WM und dort erzaehlte ein getarnter Ex-Nazi, der fuer die Polizei im Untegrund nun taetig ist, dass wohl einiges geplant wurde, aber das die Deutschen schon allein mit ihrem Flaggenboom und ihrer Gastfreundschaft gegenueber den ganzen auslaendischen Fans, es den Gruppierungen schwer und zum Teil unmoeglich gemacht hatten, zu handeln.

    Gruss,
    claudi

  7. #7
    Nadja
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    Standard ⫸ AW: Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit

    Zu Schulzeiten haben wir uns im Geschichtsunterricht intensiv mit dem Thema beschäftigt. Als ich dazu dann auch mal einen Aufsatz schreiben musste, hatte ich mir nähere Infos bei meinem Opa geholt, der alles ja hautnah mit erlebt hat.

    Allerdings hat er mir nie sehr viel von seiner Zeit als Soldat erzählt. Ich weiß nur, dass er ziemlich schnell in amerikanische Gefangenschaft geriet. Er hat für die Amis gekocht und ihnen immer leckeres deutsches Brot gebacken Ja, das hat er immer erzählt. Mit mehr Details ist er nie heraus gerückt. Wahrscheinlich wollte er nicht, dass ich irgendwie schlecht von ihm denke.

    Seit der Schulzeit damals beschäftigte ich mich eher weniger mit dem Thema. Männe schaut oftmals Dokumentationen im Fernsehen darüber, die im Infokanal oder sonstwo laufen. Ich sag dann meistens nur "Schatz, der Krieg ist vorbei und wird hoffentlich auch so schnell nicht wieder kommen" und mag es gar nicht weiter schauen. Es ist einfach zu schrecklich, was damals passiert ist ... und teilweise passiert es ja heute ähnlich auch noch in anderen Kriegsländern.

    Interessant finde ich übrigens, dass viele ältere Menschen immer noch vom "Führer" sprechen, wenn sie über Hitler reden.

  8. #8
    Unterhaltungskünstler
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    Standard ⫸ AW: Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit

    Wahrscheinlich kann kein Deutscher davor die Augen verschließen und sollte es auch nicht.

    Wir haben das auch jahrelang in der Schule durchgenommen. Ich erinnere mich an eine Unterrichtsstunde, da ging es darum, dass große Pharmaunternehmen - in diesem Fall war es Bayer - Juden als Testkaninchen überlassen bekamen. Unser Lehrer las uns die originalen Protokolle von Bayer vor, welche Medikamente und Chemikalien an welchen Personen jedwelcher Altersklasse angewendet wurden, und welche "interessante" Wirkungen dies auf den menschlichen Körper hatte. Wir hörten von Verätzungen, inneren Blutungen, Hautablösungen und letzten Endes immer den Zusatz "Objekt verstorben nach .... Tagen". Ich weiß noch, wie wir alle da saßen und weinten, weil das so unfassbar war.

    Ich vergaß bei Schindlers Liste nie die Szene, wie die Menschen in den Baderaum zum Duschen gepfercht wurden, und sie schrien alle völlig panisch los, weil sie meinten, sie würden vergast werden. So verletzlich, so wehrlos, das hat mich immer wieder zum Weinen gebracht. Letzte Woche lief darüber noch eine Dokumentation, und Zeitzeugen berichteten, dass diese Szene sich tatsächlich so abgespielt hat.

    Ich wehre mich dagegen, dies als DEUTSCHE Schuld anzusehen, und auch ich will mich nicht schämen müssen, Deutsche zu sein. Wir halten schon viel zu lange den Kopf gesenkt und fühlen uns durch unsere geschichtliche Schuld minderwertig. Das ist keine deutsche Eigenschaft.

    Das für mich Schlimme ist: Es ist MENSCHLICH. Das ist das Böse, das irgendwie in unserer Menschheit schlummert. In Deutschland ist es eskaliert, weil wir die Mittel und die Macht dazu hatten. Aber letzten Endes sind solche Grausamkeiten immer wieder in der Geschichte der Menschheit geschehen: Menschen im Mittelalter, die geifernd zusahen, wenn andere mit den entsetzlichsten Folterwerkzeugen zu Tode gequält wurden. (Ich war mal in einem Foltermuseum und habe mich erschüttert gefragt, welche kranken Hirne sich solche Apparaturen ausdenken können.)

    Was den ersten Christen angetan wurde, wie die Römer es als Unterhaltung ansahen, wenn Sklaven in ihren Arenen von wilden Tieren zerfetzt wurden... Es passiert immer wieder

    Diese Abartigigkeit in der menschlichen Natur, die nur in einem intakten Gesellschaftssystem unentdeckt schlummert, aber doch immer vorhanden ist, macht mir richtig Angst.

    Ich denke jedesmal, dass doch kein normaler Mensch so etwas tun kann, dass doch niemand ein wehrloses Kind töten kann, dass es sowas nicht geben KANN.

    Habt ihr den Film "Das Experiment" gesehen? Das basiert ja auf einer wahren Studie, und ich finde den sehr exemplarisch, wie die menschliche Psyche in einer solchen Situation funktioniert.

    Ich könnte über all diese Greultaten tagtäglich weinen.

    LG

    Angie

  9. #9
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    Standard ⫸ AW: Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit

    @ Angie: Das finde ich nen super Beitrag, danke!

    "Die waren alle geistesgestört" finde ich leider auch viiiieeel zu einfach als Erklärung. Es ist wirklich eher diese "Dynamik des Bösen", die sich sooooooo schnell in Menschengruppen ausbreiten kann. Das geht ja schon los, wenn innerhalb einer Klasse (oder auch unter Erwachsenen im Büro) ein einziges armes Schwein permanent gemobbt und fertiggemacht wird. Die meisten sind einfach froh, dass sies selber nicht sind, und nachdem ja "allle anderen auch mitmachen", kanns ja nicht sooo verkehrt sein und vor allem verfällt man auch schnell dem Irrglauben, die Verantwortung ja gar nicht tragen zu müssen - schließlich hatte man weder die Idee dazu, noch ist man alleiniger Täter...
    "Das Experiment" ist da wirklich ein tolles Beispiel gewesen. Mich nimmt der Film aus den o.g. Gründen auch immer wieder richtig mit...

  10. #10
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    Standard ⫸ AW: Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit

    Liebe Ulla,

    ich habe diesen Bericht auch gesehen und war erschüttert!

    Für mich ist dieses Thema aber immer sehr präsent. Ich rede viel mit meiner Omi darüber. Sie mussten 1945 aus Schlesien fliehen. Eine 23jährige Frau mit 2 Kleinkindern! Ihre Schwester wurde auf der Flucht von Tieffliegern tödlich getroffen, ihre Kinder waren plötzlich Waisen. Mein Opi war von 1944 - 1948 in russischer Gefangenschaft, meine Mutti kannte ihn erst gar nicht.

    Wenn ich mit meiner Omi darüber spreche, merke ich, wie sehr ihr das nahe geht.

    Liebe Grüße, mausi76

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