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Thema: ⫸ Typisch Lenchen: Chaos³ und trotzdem die beste Hochzeit über

13.12.2017
  1. #1
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    Vorwort

    Das hier ist ein übertrieben detaillierter Bericht, und ich nehme es keinem Übel, wenn er sich nicht für sämtliche Begebenheiten unserer Hochzeit interessiert. Es würde mich sogar wundern, wenn mehr als eine Handvoll Leidensfähiger es schafft, den ganzen Text bis zum Ende zu lesen. In Word waren es zwölf Seiten… :rotwerd: Aber ich möchte das alles unbedingt für mich festhalten, und wenn ich eh schon so viel tippe, soll es sich auch lohnen… Ihr habt also quasi ein Abfallprodukt vor euch! :p Guckt euch einfach die Fotos an, wenn ihr keine Lust mehr zum Lesen habt!


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  2. #2
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    Morgens

    Die Nacht vom 2. auf den 3. September, die sowieso schon viel zu spät begonnen hatte, verlief für mich unruhig und endete um sieben Uhr; letzteres wurde von unserem Küken bestimmt. Ich holte den Lütten zu uns ins Bett, stillte ihn zur Feier des Tages noch mal kurz (nach 14 Monaten Stillbeziehung hat er nur noch selten Lust drauf, und es kommen dementsprechend nur noch ein paar Tropfen) und hüpfte dann unter die Dusche. Meine Friseurin hatte mir extra eingeschärft, ja am Vorabend die Haare zu waschen und es auf keinen Fall am Morgen der Hochzeit zu tun. Natürlich hatte ich es am Abend zuvor vergessen… Na ja, sieben Uhr, das zählte ja noch fast als Vorabend… fand ich… Ich zog mein eher spartanisches Schönheitsprogramm durch: Haare waschen, Beine und Achseln rasieren, Zähne putzen und letzte aufständische Augenbrauen zupfen. Unter der Dusche erst fiel mir auf, dass die letztendliche Prognose von wetter.com tatsächlich Recht zu behalten schien, denn vor dem Badfenster stieg viel versprechend die Sonne vor einem fast wolkenlosen Himmel auf.
    Als ich im Bad fertig war, war Anne auch schon auf (meine beste Freundin und Zeremonienmeisterin), und schließlich konnte ich Martin überzeugen, aufzustehen und das Küken mit unter die Dusche zu nehmen.
    Für den Friseurtermin zog ich einen Wickelrock und (auf ausdrückliche Anweisung der Friseurin, die ich ausnahmsweise nicht missachtete) eine Bluse zum Knöpfen an. Währenddessen lief ich in der Wohnung umher, suchte all die Dinge zusammen, die ich zu brauchen meinte, und schrieb das, was noch zu erledigen war, auf eine Liste (auf die ich im Laufe des Tages kein einziges Mal drauf sah und über die Hälfte vergaß).
    So um halb zehn ungefähr kam Diddy, Annes Freund, aus Frankfurt an. Sobald er seine Taschen abgestellt hatte, gingen wir alle zusammen nach drüben ins Hauptquartier (das Haus meiner Eltern), um zu frühstücken. Drüben trafen wir auf meine Eltern, meine Schwester Gesa, ihren Freund Malte, meine Freundin Louise aus Dänemark und die Thüringer, eine fünfköpfige Delegation von Martins alter Clique. Später kamen noch Manni und Marlene, Martins Eltern, dazu. Ich aß zwei Brötchen und fühlte dabei milde Verwunderung über die völlige Abwesenheit jedweder Nervosität.
    Nach dem Frühstück, so um viertel vor elf vielleicht, entschied ich, dass es ratsam wäre, das Küken noch mal ins Bett zu stecken. Schließlich waren wir um ein Uhr mit unserem Fotografen verabredet, und bis dahin sollte sein Mittagsschlaf beendet sein. Also gingen Anne, Diddy, Martin und ich mit Janis wieder rüber. Louise nahmen wir auch mit. Martin legte sich mit dem Lütten ins abgedunkelte Schlafzimmer – eine Methode, die wunderbar funktioniert, die wir aus Angst vor Gewöhnung aber nur in „Notfällen“ praktizieren. Die anderen machten es sich auf dem Balkon gemütlich. Ich suchte mein Braut-Outfit zusammen und stellte die Schuhe und das Kästchen mit der Perlenkette auf die Fensterbank im Schlafzimmer.


    Um die Sache ein wenig zu illustrieren, schiebe ich hier die Fotos von Anne und Diddy (1) und Gesa und Malte (2) ein. Das sind die, die nachher auf der Feier für das Gästebuch gemacht wurden.

  3. #3
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    Vormittag: Friseur und so

    Um kurz nach elf kam meine Freundin Kristin, Janis’ Patentante, und wir setzten uns alle auf den Balkon. Kristin sah toll aus! Sie war extra beim Friseur gewesen und trug ein einfaches, aber elegantes kurzes schwarzes Kleid. Ich hatte sie gebeten, etwas früher zu kommen, damit das Küken sich an sie gewöhnt. Sie war die Janis-Beauftragte an diesem Tag, damit sowohl ich als auch meine Mutter nicht ständig ein Kleinkind am Rockzipfel hängen hatten. Da jenes aber gerade Mittagsschlaf hielt, plauderten wir ein wenig in der Sonne.
    Martin und Diddy fuhren dann zum Floristen, um den Brautstrauß und den Autoschmuck zu holen. Martin erzählte nachher, dass die beiden einen Heidenspaß hatten, zusammen in dem geschmückten Auto nach Hause zu fahren. Diddy hielt den Brautstrauß, und als sie zwei alte Frauen bemerkten, die leicht irritiert die beiden Männer im Auto betrachteten, erzürnten sie jene sehr, indem sie sich liebevolle Luftküsse zuwarfen…
    Louise und ich machten uns derweil auf zum Friseur. Um halb zwölf sollten wir dort sein. Eine Stunde hatte die Friseurin veranschlagt, noch früher zu kommen hatte sie für übertrieben gehalten. Also standen wir pünktlich mit einer Flasche Sekt und einem Tetrapack Orangensaft auf der Matte des Salons. Nachdem alle damit versorgt waren (auch die beiden anderen Kundinnen, die meine Verwandlung natürlich aufmerksam verfolgten), konnte der Zauber beginnen. Lousie und ich hatten endlich mal Zeit, uns zu unterhalten, während die Friseurin sich ans Werk machte. Wie ich befürchtet hatte, versagte das von ihr als super-verlässlich beschriebene Haarstyle-Klebezeugs nach kaum einer halben Stunde, und aus meinem Zopf sausten ungezogene Strähnen-Enden wie Springteufelchen mit obszöner Geste immer wieder hervor. Ich hatte ein Band mitgebracht, mit dem die untere Hälfte des Zopfes umwickelt werden konnte, aber eine besonders aufmüpfige Guerilla-Formation kriegten wir einfach nicht gebändigt. Ich hatte schon vorher verkündet, dass ich Dienstag wieder dort auf der Matte stehen würde, um mir die Haare kinnlang abzuschneiden, nachdem sie in der Brautfrisur ihren Zweck erfüllt hätten. Also empfahl ich der Friseurin, die Kriegserklärung meiner Haare anzunehmen und den Sekundenkleber, mit dem sie das Band befestigt hatte, auch dort zu verwenden. Sie fragte dreimal nach, ob ich mir auch sicher sei, dann kam sie meinem Vorschlag nach. Mit dem Zopf gab es fortan keine Probleme mehr. (Abends schnitt ich die verklebte Partie einfach raus. Ich hab noch nicht genauer nachgeguckt, aber auf den ersten Blick sieht man jetzt nichts davon.)
    Durch diese Aktion hatten wir ganz schön Zeit verloren. Die Locken gingen schnell, aber die Blüten im Haar zu verteilen, war dann auch wieder gar nicht so einfach. Die Probefrisur hatten wir ohne Blumen gemacht. Vielleicht hätten wir erwarten sollen, dass meine unkooperativen Haare ihnen auch nicht freundlicher gegenüberstehen würden als dem Zopf, aber diese Schwierigkeit traf die Friseurin irgendwie ähnlich unvorbereitet. Immer wieder sprühte sie Haarspray nach, während sie mich zwischendurch schminkte und sich alle erdenkliche Mühe gab, den stattlichen Stresspickel abzudecken, den ich ordnungsgemäß zusätzlich zu meiner ohnehin unreinen Haut in der Nacht noch bekommen hatte. Trotzdem verlor ich die erste Blüte schon auf der Türschwelle. Vorher steckte ich aber noch die ganzen Make-up-Utensilien ein, die ich gegebenenfalls für Restaurationsarbeiten zu späterer Stunde mitnehmen sollte (und die ich am nächsten Morgen zu Hause in einer Tasche auf dem Treppenabsatz fand – vermisst habe ich sie nicht). Als ich bezahlen wollte, winkte sie ab. Sei alles schon erledigt, ich solle mich bei meiner Mutter bedanken. 8o Na gut, super, aber jetzt nichts wie ab nach Hause. Als wir das Auto bestiegen – Louise hinter mir, um den Abstand meiner Haare zur Kopfstütze zu gewährleisten – schlug die Kirchturmuhr ein Uhr. In Gedanken sah ich Roger am Stift die Straße hinauf und hinunter spähen, während ich mich mit leicht erhöhter Geschwindigkeit von ihm entfernte.
    Da ich mit meiner Porzellanpuppenfrisur nicht zu Laufen wagte, brüllte ich zu Hause gleich die Treppe hoch: „Ruft Roger an! Der soll bloß nicht wieder fahren!“ Als Antwort kam Martins verärgerte Stimme: „Wo bleibst du denn? Ich hab dir gleich gesagt, eine Stunde ist viel zu wenig!“ Glücklicherweise übernahm Anne den Anruf, denn während ich nun im absoluten Eiltempo in mein Hochzeitskleid hüpfte – unterstützt von Louise – lieferten Martin und ich uns einen recht heftigen Wortwechsel. Währenddessen bemerkte Kristin, dass sie dem Küken die falsche Hose angezogen hatte und trug es unter lautstarkem Protest zum Wickeltisch, um den Fehler zu korrigieren.

  4. #4
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    Die Fotosession - …aber das Brautkleid hatte ich an…

    Trotz allem saßen wir wenige Minuten später im geschmückten Auto. Kristin hatte als Janis-Beauftragte die Aufgabe, sich um das Küken zu kümmern, während wir die Nur-Lena-und-Martin-Fotos machen würden. Am Stift begrüßte uns Roger, beruhigte uns und versicherte, er sei es absolut gewohnt, dass Brautpaare nicht pünktlich kämen, das sei kein Problem. Es war dann auch erst zwölf Minuten nach eins. Wir hatten ohnehin im Vorfeld abgesprochen, dass wir nicht die klassische Endlos-Session wollten, sondern dass am Ende bloß ein oder zwei möglichst vorzeigbare Fotos dabei rauskommen müssen. Alles andere ist eine nette Draufgabe, aber nicht zwingend erforderlich.
    Der Stiftsgarten ist eine Art großer privater Garten, in den man normalerweise nur zu besonderen Gelegenheiten oder mit der Führung kommt. Die Sonne brannte sehr, was einerseits natürlich sehr nett war, andererseits unsere Standpunktauswahl beträchtlich einschränkte. Roger postierte uns erst einmal im Schatten einer Tanne auf der Wiese und drapierte uns drei in eine „völlig ungestellt aussehende“ Pose. Nicht ganz zufrieden mit seinem Werk meinte er zu mir: „Tja, was machen wir denn jetzt mit deiner einen leeren Hand, weil du ja keinen Brautstrauß hast…“ 8o 8o 8o Wahhhhh, wo war mein Brautstrauß?!? 8o 8o 8o Natürlich noch zu Hause. Zum Glück hatten wir ja Kristin dabei, die schnell noch mal zurück fahren konnte. Wir waren froh, dass wir uns entschlossen hatten, alles hier im Ort zu erledigen. Bis zu uns waren es nur ein oder zwei Kilometer. Bis der Brautstrauß eintraf, knipste Roger ein paar unkonventionelle Familienfotos mit uns.
    Keine zehn Minuten später konnte es dann ordnungsgemäß beblümt weitergehen. Roger überredete uns dann doch zu einigen klassischen Brautpaarposen, die meinen Vorstellungen eigentlich widersprachen (so was wie „Jetzt tu mal so, als ob du sie von der Bank hebst!“). ?( Aber ein paar echt ungestellte Fotos haben wir auch gemacht. („Jetzt kommt mal auf mich zu und unterhaltet euch ganz normal dabei! Beachtet mich einfach gar nicht!“) Erstaunlicherweise sind viele Fotos richtig gut geworden. Normalerweise sind wir beide nämlich ziemlich unfotogen. Es gibt kaum Fotos von uns, die in Ordnung sind – wenigstens einer schaut immer bekloppt aus. Insgesamt haben wir 88 Fotos gemacht. Roger hat sie alle auf CD gebrannt, gerade eben (Montag) haben wir sie in der Redaktion abgeholt und Kuchen vorbeigebracht. Roger hat 100 € und eine Flasche Sekt mit Kirchenbankschleife dafür bekommen. – Aber immer der Reihe nach…
    Inzwischen war es zehn vor zwei. Zur Erinnerung: Um zwei sollte die standesamtliche Trauung stattfinden, und um halb drei gleich die kirchliche. Mittlerweile waren wir wieder absolut im Zeitplan, denn zum Standesamt war es nur ein höchstens zweiminütiger Fußmarsch. Wir verabschiedeten uns von Roger und plauschten noch ein wenig mit ihm über Hochzeiten im Allgemeinen. Er lobte mein Kleid wegen den interessanten Lichtreflexen, und weil es nicht das klassische Sahnetörtchen war. – Damit war er übrigens so ziemlich der einzige, der auch nur ein anerkennendes Wort über mein Kleid verlor, aber das nur ganz am Rande. Ich bin nicht sonderlich eitel, und dass ich meine Verwandtschaft mit meinem unkonventionellen Kleid geschockt habe, gefällt mir viel besser, als wenn sie mir bloß alle erzählt hätten, was für eine schöne Braut ich sei! (Und unkonventionell bedeutet hier in Schaumburg schon allein, dass es kein reinweißes Reifrockkleid ist. ) – Jedenfalls, ich antwortete darauf irgendetwas wie: „Danke schön. So was Perfektes würde aber auch gar nicht zu mir passen.“ Dabei dachte ich an meine Perlenkette, die ich mir schließlich auch gerade deshalb ausgesucht hatte, weil die Perlen unterschiedlich und unperfekt geformt waren. Siedendheiß fiel mir dabei ein, dass besagte Kette immer noch in ihrem Kästchen auf der Fensterbank lag… Während der Fotos hatte ich nur meine Jeden-Tag-Kreuz-Kette um den Hals getragen. Dafür zierte meine schwarze Armbanduhr noch mein Handgelenk – ziemlich undekorativ an meinem Hochzeitstag. Aber richtig heiraten wollte ich schon mit den Perlen, immerhin hatten wir mehr als ein halbes Monatseinkommen dafür ausgegeben und sie extra für die Hochzeit (und Gesas Abiball im Juni) gekauft. Mittlerweile war es sieben vor zwei, und unsere Eltern, die Trauzeugen und Anne waren mit Sicherheit alle schon beim Standesamt oder zum Dekorieren in der Kirche. Zum Zurückfahren war die Zeit auch zu knapp. Aber glücklicherweise waren unsere „Vermieter“ noch zu Hause (ich schreib das mal in Anführungsstrichen, denn eigentlich sind Onkel Willi und Tante Magret viel mehr als das). Da sie nicht mit aufs Standesamt kamen, konnten sie uns die Kette dann bequem dorthin bringen, bevor sie in die Kirche gingen. Ein Anruf, und die Sache war geritzt.

  5. #5
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    Die Formalitäten erledigen: Standesamt

    Jetzt ging es aber erst einmal zur Sache, denn wir mussten die legalen Voraussetzungen für die kirchliche Trauung erfüllen: Den Gang zum Standesamt. Mit Kristin und dem Küken eilten wir die schmale Gasse zum Kirchplatz entlang, von wo aus wir unsere Eltern und die Trauzeugen schon vor dem Museum Warten sehen konnten. Auf halber Strecke fiel Martin plötzlich auf, dass er mein rotes Handtäschchen trug. Völlig schockiert schleuderte er es zu Kristin rüber, die zwischen uns ging. Für jemanden, der gerade mit Diddy im Brautauto durch die Stadt gefahren war, benahm er sich doch ziemlich merkwürdig.
    Vorm Museum angekommen bewunderten die weiblichen Anwesenden zuerst die Braut, denn vorher war ja keine Zeit dafür gewesen. Mama kannte zwar sämtliche Puzzlestücke, aber zusammen hatte sie auch noch nicht alles gesehen. Besonders die Frisur beeindruckte Mama, Gesa, Marlene (Martins Mutter) und Steffi, die Freundin von Martins Trauzeugen Dennis. Die Standesbeamtin stand auf der Treppe und schien sehr erleichtert, dass wir doch noch aufgetaucht waren. Die Kirchturmuhr schlug gerade zwei Mal. Das war das Zeichen, uns in das Trauzimmer zu begeben.



    Das Museum, in dem das Trauzimmer untergebracht ist

    An den Wänden dort hängen überall Schautafeln und Artefakte wie beispielsweise die erste Reklame von Dr. Oetkers Puddingpulver (der in Obernkirchen geboren ist) und Schallplattencover der Schaumburger Märchensänger, die in den 50er Jahren ein sehr berühmter Kinderchor waren. In der Mitte des Raums steht eine alte Ratssitzungstafel mit antiken Stühlen, oder eher Thronsesseln. Erstere war mit Plastikblumen und Kerzen geschmückt. Die Stühle standen dahinter in zwei Reihen. In die vordere Reihe rutschten Steffi, Dennis, ich, Martin, Gesa und ihr Freund Malte. Unsere Eltern nahmen in der zweiten Reihe Platz. Ich kann mich erinnern, dass dort ein Stuhl frei blieb, aber ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, wer den fünften Platz dort besetzt hat. War Martins Oma mit im Standesamt? Ich weiß es gar nicht mehr. Papa hat Fotos gemacht, aber mit der altmodischen Spiegelreflexkamera, wo man sich in Geduld üben muss, bis man die Bilder sehen kann. ?(
    Die Standesbeamtin begrüßte uns und begann mit einem mehrminütigen Monolog, warum sie Standesbeamte geworden war. (Eigentlich war sie ja in der Bücherei angestellt gewesen, aber als die privatisiert wurde, wurde sie vor die Wahl gestellt: Standes- oder Ordnungsamt…) Mama und Papa meinten nachher, das wäre alles sehr nett gewesen und habe die Sache so ungezwungen wirken lassen. Ich fand es absolut überflüssig. Möglich, dass ich der Dame nach der Abstammungsurkunden-Rennerei nicht mehr ganz unbefangen gegenüberstand, aber was hat ihr beruflicher Werdegang mit meiner Eheschließung zu tun? ?) Als nächstes ging es um amtliche Dinge. Die Trauzeugen mussten ihre Personalausweise vorzeigen, damit ihre Daten aufgenommen werden konnten. Auf die Frage nach ihrem Beruf antworteten Gesa und Dennis beide wahrheitsgemäß: „Student.“ Da das auch auf Braut und Bräutigam (gerade noch so) zutrifft, amüsierte sich die Standesbeamtin königlich über die „reine Studentenhochzeit“, die ihr in ihrer Laufbahn noch niemals untergekommen sei. Überhaupt ging die Veranstaltung ziemlich locker vonstatten. Allerdings wurden sowohl das Namensrecht mit sämtlichen Möglichkeiten, in Amtsdeutsch verfasst, als auch wortgetreu der ganze Inhalt der Heiratsurkunde in epischer Breite vorgetragen. Das fand ich ziemlich langweilig. Mein Blick schweifte währenddessen zwischen den Ausstellungsstücken an der Wand und meiner Armbanduhr (die ich immer noch trug) hin und her. Schließlich aber kamen wir an die Stelle, an denen wir nacheinander JA sagen mussten. Diese Aufgabe bewältigten wir ohne Schwierigkeiten. Dann kam noch der Part, an dem wir kalligraphisch aktiv werden mussten. Uns fiel auf, dass wir uns in falscher Reihenfolge platziert hatten, denn nun saß Dennis auf dem Platz neben der Braut, der die Pflicht des Brautstraußhaltens impliziert. Er bewältigte diese unverhoffte Pflicht jedoch anstandslos. :p
    Ein letztes Mal unterschrieb ich mit dem Namen, der fast 23 Jahre lang mein eigener gewesen ist. – Na ja, sagen wir lieber: ein letztes Mal war das korrekt, denn bestimmt werde ich meinen Geburtsnamen noch oft genug aus Gewohnheit anbringen. Wieder wurde eine amtsdeutsche Urkunde verlesen (keine Ahnung, was genau, wenn ich zugehört habe, habe ich’s schon vergessen ), und wieder mussten wir unterschreiben. Unsicher fragte ich: „Ähhh… mit welchem Namen denn jetzt?“ Die Komik dieser Frage hat sich mir immer noch nicht offenbart, aber meine Mutter brach daraufhin in schallendes Gelächter aus und steckte damit den Rest der Gesellschaft an. Für alle, die sich das ersparen wollen: Es ist der neue Name, ergänzt um „geborene Soundso“.
    Damit waren die Formalitäten erledigt. Die Standesbeamtin erklärte uns, welche Urkunde wir wofür brauchen würden (ich hoffe, Martin hat zugehört… ) und überreichte uns eine ganze Mappe, gefüllt mit den Papieren, einigen Broschüren und einer Glückwunschkarte der Stadt.
    Der offizielle Teil war damit erledigt, nach etwa einer Viertelstunde. Während wir uns erhoben, drückte die Beamtin ihre Verwunderung über meine Gelassenheit aus, die sie schon im Vorfeld erstaunt habe. Dann testete ich die Toilettentauglichkeit meines Brautkleides. (Das Kleid war völlig okay, aber eine Haar-Blüte landete auf dem gefliesten Boden. Zum ersten Mal beschlich mich der Gedanke, dass die Blumen in meiner Frisur „Zehn kleine Negerlein“ spielten…) Als ich von dort zurückkam, war Tante Magret da, um mir die Perlenkette zu bringen, und ich reichte meine Kreuz-Kette und meine Armbanduhr an Gesa. Alle, außer die Standesbeamtin, verabschiedeten sich und gingen in die Kirche. Draußen formierte sich die nächste Hochzeitsgesellschaft. Martin erklärte der Beamtin seinen Studiengang, und ich schlenderte in den Nebenraum, wo eine altmodische Apotheke ausgestellt ist, und sah aus dem Fenster. Ich beobachtete zwei meiner Großtanten, wie sie die Kirche betraten, eine von ihnen zu meinem Entsetzen ganz in Pink. Dann kam Regina, die Organistin, und dann ein paar Schaulustige, offensichtlich. Ich hätte mich gern dort mit einem Stuhl postiert, aber vom Flur her lenkte mich die Standesbeamtin mit Fragen zu meinem beruflichen Werdegang und uninteressanten Details zu dem ihrer Tochter ab. Dann begann sie, über die folgende Eheschließung zu lästern. Na ja, nicht wirklich schlimm, aber doch ein wenig unangemessen, fand ich. „Sie waren ja immer die Ruhe selbst, wenn Sie bei uns waren. Die Braut, die jetzt kommt, verbreitet seit einem halben Jahr in regelmäßigen Abständen Panik!“
    Auf dem Kirchplatz sah ich eine Delegation meiner Theatergruppe stehen, die offensichtlich darauf wartete, dass wir das Standesamt verließen. Ich wollte, dass vorher alle Gäste in der Kirche sind, damit sie uns wirklich erst beim Einzug sehen. Denen zuliebe ließ ich mich dann schon um zehn vor halb drei aus dem Museum führen. Die Truppe hatte ein Probenwochenende in der nahe gelegenen Schule, von dem sie mich nur ungern ausgeschlossen hatten. Wir ließen uns gratulieren – das erste Mal von vielen an diesem Tag – und Martin verstaute einen Umschlag in seiner Jacketttasche. Dann schlenderten wir unter den Blicken weniger Neugieriger (die vermutlich zum größten Teil zu der standesamtlichen Trauung um 15 Uhr gehörten) zum Kirchenportal im Turm, von wo aus wir einziehen wollten.

  6. #6
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    Und gleich die nächste Station: Ab in die Kirche

    Dort trafen wir auf den Pastor, den ich aus emotionalen Gründen für unsere Trauung aus dem Ruhestand reaktiviert hatte. Er war der nervöseste Mensch, den ich an diesem Tag zu Gesicht bekam. Er trug das Ringkissen, das meine Oma selbst gemacht hatte, und die Ringe, die ich ihm schon am Vortag vorbeigebracht hatte. Seine Hände zitterten, und ich fragte mich, was passieren würde, wenn er umkippte oder dem Gottesdienst sonstwie nicht gewachsen sein würde. Ich weiß nicht, warum er so flatterig war. Sicherlich war es seine erste Trauung seit Langem, aber er hat schon sooo viele Leute unter die Haube gebracht… Es ging mal das Gerücht in der Gemeinde, dass er mein biologischer Vater sei, aber meine Mutter hat schallend gelacht, als sie das gehört hat.
    Wie auch immer, wir begrüßten uns, und dann setzte auch schon die Orgelmusik ein. Das Stück hatte ich mir extra ausgesucht, es passte richtig gut zu uns. „Intrade in Jazz“ heißt es, von einem Herrn Michels, ein ungewöhnlich fröhliches Stück. Viele unserer Freunde hatten ein Lächeln auf den Lippen, als wir an ihnen vorbeischunkelten. (Die Verwandten schauten eher irritiert.) Ich ärgerte mich ein wenig, dass der Pastor vor uns so langsam ging, und war kurz davor, ihm in die Hacken zu treten. Und Martin bewies mal wieder überhaupt kein Taktgefühl (jetzt im wörtlichen Sinne) und schlurfte einfach dahin. Aber so konnte ich wenigstens fast jedem ins Gesicht sehen und mich an den tollen Bankschleifen erfreuen, die Oma gebastelt hatte. Unser Küken war bei meinem Vater auf dem Arm. Er streckte die Hände nach uns aus und Martin gab ihm einen Kuss im Vorbeigehen (ich war zu weit weg), doch zum Glück machte es ihm nichts aus, dass wir an ihm vorüber schritten, ohne ihn mitzunehmen. Der Pastor behielt Recht mit seinem Tempo, denn genau mit den letzten Tönen erreichten wir unsere Plätze vor dem Altar.

    Er begrüßte uns und die Gemeinde und stellte sich als der Pastor vor, der auch schon meine Eltern getraut hatte. Dann sagte er einige Worte zur Kirche, bevor wir zum ersten Lied kamen: Laudato si, einem meiner Lieblingslieder (logischerweise, schließlich hatte ich alle selbst ausgesucht). Der Altarraum ist sehr lang, so dass die Gemeinde bestimmt 20 m hinter uns saß. Normalerweise werden bei Trauungen Stühle in den Altarraum gestellt, um die Entfernung zu überbrücken, aber das hatte ich aus ästhetischen Gründen abgelehnt. Vorne saßen nur wir beide, der Pastor, Gesa und Anne als Liturgen, und aus einem Grund, der mir verborgen blieb, auch Kristin und ihr Verlobter Stephan. Da die anderen so weit weg waren, war es ein bisschen so, als hätten wir sieben einen Gottesdienst für uns. Das machte aber überhaupt nichts, denn wir Vorderen sangen alle kräftig. Mama meinte, im hinteren Teil sei es ein klein wenig mager gewesen. Ich hatte aber schon den Eindruck, dass von dort hinten einiges an Stimmgewaltigkeit kam. Wie auch immer es wirklich war, vorne hörte es sich ganz gut an. Ich hatte sechs Strophen ausgesucht, was eigentlich ein bisschen zu lang war. Aber schön war’s trotzdem.
    Der Gottesdienst verflog nur so. Eingangsgebet, die Predigt des Pastors, die aufgrund des persönlichen Verhältnisses sehr treffend war. Ich bin ein wenig in der Gemeinde aktiv, Martin dagegen ist überzeugter Atheist, was unserer Beziehung bisher aber eher zu interessanten Diskussionen verholfen hat, statt ihr zu schaden. Der Pastor verpackte diese Problematik in sehr nette Worte und bestärkte uns in unserem Umgang damit. Dann redete er noch von der zunehmenden Kompliziertheit dieser Welt, den ständigen „Verbesserungen“ in allen Bereichen, und der Notwendigkeit eines „einfachen“ Ausgleichs, einen Fels in der Brandung, auf den man sich verlassen kann. Das traf so genau zu auf das Selbstverständnis unserer Beziehung! Das war dann einer der beiden Augenblicke, in denen mir die Tränen in die Augen traten (gekullert ist aber keine).
    Ich folgte der Predigt mit meiner vollen Aufmerksamkeit. In regelmäßigen Abständen jedoch machte mein Sohn auf sich aufmerksam, der seinen Großeltern aufgeregt von den vielen Lampen in der Kirche erzählte. Eine rhetorische Pause des Pastors nutzte er, um fröhlich, laut und vernehmlich zu pupsen. :p Dann fuhr er völlig ungerührt fort: „Da! Da! Hell! Da!“
    Wir sangen „Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren“, dann kam Augenblick Nummer zwei. Meine Schwester las aus dem Korinther-Brief vor. Als sie sich erhob – kommentiert von begeisterten „Aaa-sa!“-Rufen unseres Kükens – ging eine ungeplante Kaskade bedruckter Din-A-4-Zettel zu Boden und verteilte sich breitflächig vor dem Altar. Dann aber las sie Paulus’ Definition der Liebe vor, und obwohl ich den Text schon so oft gehört und gelesen habe, standen mir wieder die Tränen in den Augen, denn Gesa schaffte es, dass Paulus wirklich von der Liebe zwischen mir und Martin redete (und nicht von der christlichen Nächstenliebe, die in dem Text ja eigentlich gemeint ist).
    Und dann kam endlich der wichtigste Teil der Zeremonie an die Reihe: das Trauversprechen. Der Pastor fasste ein paar Bibelworte zusammen, dann bat er uns, uns gegenseitig die Treue zu versprechen. Wie abgemacht, sagte ich zuerst laut und deutlich mein Sprüchlein auf: „Ich nehme dich, Martin, als meinen Mann an, und verspreche dir Treue, in guten wie in schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit. Ich will dich lieben, achten und ehren, solange ich lebe. Ich will deinen Ring tragen als Zeichen meiner Liebe und Treue.“ Martin wiederholte die Worte mit meinem Namen, etwas weniger laut, aber doch erleichternderweise absolut fehlerfrei. Ich hing an seinen Lippen, jedes Wort in mich aufnehmend, verinnerlichend, überglücklich. Der Pastor reichte uns das Ringkissen, und wir steckten uns gegenseitig die Ringe an. Dann wurden erst die Hände gesegnet, dann bekamen wir die „Ganzkörpersegnung“.
    Während wir „Komm, Herr, segne uns“ sangen, sammelte Gesa etwa zwei Drittel ihrer Zettel wieder ein. Dann lasen sie und Anne ein sehr nettes Fürbittengebet vor, das in das Vaterunser der ganzen Gemeinde überging. Nach der Segnung derselben spielte Regina die Fanfare des Komponisten Lemmens, und wir zogen hinter dem Pastor hinterher aus der Kirche. Unser Blumenstreukind rührte sich nicht vom Fleck, so wie ich es erwartet hatte, aber das war nicht so schlimm. Ich war trotzdem mit dem Verlauf unserer Trauung aufs Äußerste zufrieden.


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    So. Jetzt sind wir verheiratet.

    Vor der Kirche erwarteten uns zu allererst zwei Mütter aus meiner Krabbelgruppe, die uns meinem äußerst ernst gemeinten Verbot zum Trotz mit Reis bewarfen. Das war einer der schlimmsten Momente an diesem Tag, und ich nahm ihnen das ernsthaft übel. Die beiden lachten nur und fanden das ungeheuer witzig. :devil: Die letzten Reiskörner purzelten zu Boden, als ich die Korsage am Abend ausgezogen habe… :boese: Meine Frisur wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Dann drängelten aber auch schon die nächsten, um uns zu gratulieren. Furchtbar viele Leute bestürmten uns mit Kuverts und Blumensträußen. Ich sah bloß zu, dass die Blumensträuße in anderer Leute Hände kamen und habe jetzt im Nachhinein keinerlei Ahnung, welchen Strauß ich nun von wem bekommen habe. Abgesehen von den geladenen Gästen waren noch eine Menge Leute aus der Gemeinde da, eine alte Schulfreundin, mehrere Mütter von alten Schulfreundinnen, Mamas Arbeitskolleginnen und die andere Hälfte meiner Theatergruppe, die uns nun noch einen Blumenstrauß überreichte, der offenbar nach dem Standesamt vergessen worden war. Und natürlich noch eine mittelgroße Menge Schaulustiger (ich hatte Zeit und Ort der Trauung in die Anzeige geschrieben), die uns aber natürlich nicht gratulierte. Es waren bestimmt 80, 90 Leute, die uns die Hände schüttelten und uns umarmten. Ich war superfroh, dass wir uns entschieden hatten, die Fotos vor der Trauung zu machen. Nach diesem Gratulier-und-drück-Marathon war von meiner komplizierten Frisur eher wenig übrig… So machte das gar nichts, und ich musste nicht auf jedes „Herzlichen Glückwunsch!“ mit „Vorsicht! Nicht kaputtmachen!“ antworten.
    Die Thüringer Verwandtschaft wollte dann in eine hektische Fotobetriebsamkeit ausbrechen („Jetzt noch mal das Brautpaar mit den Geschwistern! … Und jetzt mit den Großeltern!“), aber wir hatten nicht ewig Zeit, denn um 16 Uhr folgte schon die nächste Trauung, für die schon die ersten Gäste eintrafen. Außerdem warteten Freunde von uns schon mit dem obligatorischen Bettlaken-Herz. Diese Aufgabe meisterten wir mit Bravour – als Links-und-Rechtshänder-Paar waren wir auch klar im Vorteil. Unten war schon angestochen, ich hielt die Richtung, Martin schnitt. Das klappte echt super. Das Hindurchtragen eher weniger, denn ich bin doch schon ziemlich schwer… :rotwerd: Zuletzt wurde uns noch unser Küken durch die Öffnung gereicht. Auf diese Weise vervollständigt, machten wir uns auf den Weg ins Dorfgemeinschaftshaus, wo die Feier stattfand. Unser blauer Peugeot 206, geschmückt mit einer Buchsbaumgirlande vor der Windschutzscheibe, die leider niemand fotografiert hat, machte den Anfang der Kolonne. Eigentlich hatten wir nur einen Weg von einem knappen Kilometer vor uns, doch Martin schlug die Route ein, die einmal um die Innenstadt herumführte. Natürlich begann er laut zu hupen, was ich auch okay fand. Dann allerdings wollte er ständig Melodien hupen, vor allem „Lacucaraca“, oder wie auch immer man das buchstabiert. Da haben wir uns dann ernsthaft in die Flicken gekriegt. Nein, natürlich nicht ernsthaft, aber es gab gezischte Diskussionen.
    Bei allerschönstem Spätsommerwetter fuhren wir schließlich im Hof des DGH ein, wo meine Mutter (die hatten die Abkürzung genommen) unser Auto mit den Blumen aus dem Streukörbchen bewarf.

  8. #8
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    Und jetzt wird gefeiert!

    So, jetzt waren wir also verheiratet, und das wollten wir feiern. Der DGH-Wirt und seine Helfer hatten für den Sektempfang im Hof zwei Bistrotische mit Sonnenschirmen aufgestellt. Es dauerte erstmal eine Weile, bis alle ihr Glas in der Hand hatten, denn die Gäste wollten erstmal ihre Geschenke loswerden. Den Geschenketisch und den Briefkasten für die gefüllten Karten hatten wir im hinteren Teil des Saals postiert, um niemanden in Versuchung zu führen. Vom Flur des DGH nämlich gingen noch zwei oder drei Wohnungen ab, da wollte ich kein Geld deponieren. Als ich allen Gästen den Weg dorthin gewiesen hatte, hatten die ersten ihren Sekt schon ausgetrunken. Also entfiel das gemeinsame Anstoßen. Auch egal.
    Nächstes Projekt: „Wir machen ein Gruppenfoto.“ Das erwies sich als echte Herausforderung, die gut und gerne 20 Minuten in Anspruch nahm. Für alles hatte ich „Ministerposten“ vergeben, hier aber fühlte sich niemand zuständig, und jeder hatte einen besseren Vorschlag, wie und wo man sich postieren solle. Dennis, Diddy und ein paar andere bauten schließlich einen doppelten Stuhlkreis auf dem Rasen auf, und ich bat Martin, jetzt um Aufmerksamkeit zu bitten und alle dort rüber zu lotsen. Ersteres gelang ihm noch, aber dann begann er eine so weit ausgeholte Rede zu halten… „…Wie ihr ja vielleicht schon bemerkt habt… wird dort drüben gerade was aufgebaut… es wäre schön… als Erinnerungstück…“ Er kam nicht aus dem Knick, also fuhr ich dazwischen und sagte einfach: „So! Es gehen jetzt bitte alle dort rüber und stellen sich dort hin, wo Dennis sie hinhaben will! Dennis ist der Herr mit dem blauen Hemd und der gelben Krawatte.“ Das war kurz, bündig, verständlich und erfolgreich, und ich weiß gar nicht, wieso es solche Heiterkeit auslöste, dass ich die Dinge so in die Hand nahm. Na ja, wenigstens lächeln die meisten gut gelaunt auf dem Foto. :p Das Foto – beziehungsweise die Fotos, denn natürlich reichte jeder seine eigene Kamera nach vorne – machte Marf, ein alter Schulfreund, den ich als Barkeeper engagiert hatte. Er trug, glaube ich, etwa elf Kameras um Hals und Arme und gab damit ein eindrucksvolles Bild ab.
    Inzwischen waren auch die Apoyandos eingetroffen, der Gitarrenchor meiner Schwester. Sie waren urlaubs- und krankheitsbedingt nur zu viert, aber das machte gar nichts. Gesa spielte sich mit ihnen im hinteren Treppenhaus ein.
    Alle anderen nahmen nun endlich an den Tischen Platz. Es gab drei unterschiedlich lange Tafeln, die schräg im Raum standen: die mittellange Brauttafel, die eher kurze Verwandtschaftstafel und die ziemlich lange Junge-Leute-Tafel. Nach so viel Vorbereituns-Hin-und-Her mit der Tisch- und Sitzordnung war ich doch sehr zufrieden mit dem Ergebnis, denn alles fügte sich recht harmonisch in den völlig verschnittenen Raum.
    Der nächste Programmpunkt war nun das Anschneiden der Hochzeitstorte. Die Torte hatte Oma gebacken, sie war zwar nicht die Eleganteste, aber dafür vierstöckig und essbar. Martin und ich nahmen das Messer in die Hand. „So, wie wir es geübt haben!“ zischelte ich ihm zu. Er war völlig ahnungslos. „Wie haben wir es denn geübt? So?“ fragte er und platzierte seinen Daumen natürlich mittig auf dem meinen. Ich zog meinen Daumen weg und zischelte: „Gleichberechtigt! Das haben wir doch neulich erst geübt!“ Zugegebenermaßen war „neulich“ schon ein paar Monate her, und er hatte die Begebenheit erfolgreich aus seinem Gedächtnis gelöscht. Vor allen Leuten musste ich also seinen Daumen neben meinem auf dem Messerrücken postieren, um so – nur ein wenig unglaubwürdig – die Gleichberechtigung unserer Beziehung zu symbolisieren. Beim Schneiden selbst machten wir es wie bei dem Bettlaken-Herz: Er schnitt, ich hielt bloß die Richtung.
    Ich war nicht nervös, aber auf Kuchen hatte ich absolut keinen Appetit, also aß ich nur das winzige Stückchen von der Hochzeitstorte. Allgemein blieb vom Kuchen eine Menge übrig. Es war einfach zu heiß.
    Der Service verärgerte mich erheblich, denn er kam mit dem Kaffee einfach nicht in die Pötte. Statt die Kannen einfach auf den Tisch zu stellen, bestanden sie darauf, jedem selbst einzuschenken und zwischen normalem und entkoffeiniertem Kaffee wählen zu lassen. Und zum Brauttisch kamen sie zu allerletzt. Dennis, der mir gegenübersaß, hatte schon sein zweites Stück Torte alle, bevor er die erste Tasse Kaffee bekam. ?( Und geschnitten hatten sie die Torten auch unmöglich, nämlich doppelt so groß wie angemessen (und teilweise schon halb vorgeschnitten). Da war ich echt drauf und dran, selbst aufzuspringen und den Leuten Feuer unter dem Hintern zu machen, oder mir wenigstens eine Kanne zu schnappen.
    Währenddessen spielten die Apoyandos leise Live-Musik. Das hatte ich mir von meiner Schwester so gewünscht, und es war auch echt toll. Gesa aß erst ein bisschen Kuchen, dann spielte sie für ein paar Stücke mit. Die ersten Sachen waren alle so Kaffeehaus-Hintergrundmusik, aber zum Schluss spielten sie noch ein paar Konzertstücke und einen Flamenco, mein Lieblingsstück.

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    Das volle Program…

    Viele nutzten die Lücke zwischen Kaffee und Abendessen für einen Spaziergang in der strahlenden Sonne. Für die, die dablieben, begann das Programm, das Anne und Gesa vorbereitet hatten. Ich kann mich wirklich nicht mehr an die Reihenfolge erinnern, aber sie hatten sich echt superviel Mühe gegeben und sich nur richtig nette Sachen ausgedacht. Ich glaube, zuerst gab es ein Quiz mit Fragen zum Brautpaar. Z.B. „Wie hieß Lenas Schule?“, oder „Wo haben die beiden sich kennen gelernt?“ Die, die zuerst die richtige Antwort in den Raum gerufen hatten, wurden nach vorne gebeten und bekamen am Ende jeder eine fertig frankierte und adressierte Postkarte, die sie uns mit netten Grüßen an einem bestimmten Datum senden sollen. Ich bin ja mal gespannt, wie viele davon ankommen…
    Die beiden DJs waren inzwischen auch eingetroffen und begannen, ein wenig Hintergrundmusik aufzulegen. Sie begannen mit so furchtbaren „Fetenkracher-Hits“, aber nachdem ich sie um etwas ein wenig Geschmackvolleres mit weniger BummBumm gebeten hatte, spielten sie ganz nette Musik im Kuschelrock-Stil.
    Martin und ich pendelten währenddessen zwischen Tischen und Gästen umher und unterhielten uns mit jedem mal ein bisschen. Das war wirklich sehr nett – wenn auch ein wenig schade, dass wir nicht für jeden Gast so viel Zeit hatten, wie wir gern gehabt hätten. Unser Küken tat es uns gleich und ließ sich im schönsten Bäumchen-wechsel-dich-Stil von jedem auf den Arm nehmen. Er hatte echt ungeheuer viel Spaß, glaube ich. Ich war echt froh, dass er einen so guten Tag hatte. Es gibt nämlich auch welche, an denen er Mama, Papa und Oma nur am Rockzipfel klebt… Aber so passte echt alles!
    Anne hatte eine sehr kurze Rede gehalten, in der sie die Gäste um einige Gefallen bat. Jedes Paar sollte im Laufe des Abends in den Treppenhaus-Raum kommen, um sich von Dennis für unser Gästebuch fotografieren zu lassen. Außerdem sollten alle auf einer Leinwand ein Herz malen – Gesas Geschenk für uns – und sich natürlich möglichst kreativ auf einer Seite im Gästebuch verewigen. Ich glaube, ein Herz hat nicht wirklich jeder gemalt, aber die anderen Anforderungen wurden von sämtlichen Gästen zur Zufriedenheit erfüllt. Dadurch haben wir echt tolle Erinnerungen! Es ist Wahnsinn, was sich die Leute teilweise für Mühe gegeben haben!
    Dann wurde das Buffet geliefert und direkt im Saal aufgebaut. Martin und ich eröffneten es kurz und bündig, dann ging das große Schlemmen los. Alles schmeckte so lecker und ich ging drei Mal hin, um mir den Teller zu füllen. :rotwerd: Das Essen kam von einem Partyservice, der sich auf italienische Küche spezialisiert hat, und wir hatten einige ungewöhnlichere Gerichte ausgesucht. Fast jeder einzelne hat uns im Laufe des Abends versichert, dass das Essen wirklich ungewöhnlich gut gewesen sei. Mir hat es jedenfalls geschmeckt.
    Der DJ wollte jetzt endlich den Tanz eröffnen, aber noch mussten wir ihn enttäuschen: Das Nachtisch-Buffet wurde nämlich erst um neun geliefert. Das hatten wir extra so gelegt, und es erwies sich als schlaue Entscheidung, denn dann hatten die Leute schon wieder ein bisschen Appetit, bevor die Eistorten geschmolzen waren. Das Nachtischbuffet war für mich absolut eines der Highlights!
    Vorher, in der Zwischenzeit, absolvierte mein Unterhaltungskomitee aber noch ein paar Programmpunkte. Zuerst, glaube ich, waren die Thüringer dran, Martins alte Freunde. Sie hatten mit ihm vor ein paar Wochen einen Junggesellenabschied mit Geländeparcours organisiert, welchen sie in einem Fotoalbum dokumentiert hatten. Dieses ging den ganzen Abend unter den Gästen herum und sorgte für so manchen Lacher. Dann überreichten sie Martin noch ein großes Paket, das bei der Übergabe leider scheppernd und krachend zu Boden fiel. Das war ihre persönliche Rache für den entgangenen Polterabend. Sie hatten nämlich permanent versucht, uns zu einem solchen zu überreden und hatten schon angedroht, am Abend vorher mit einem Kipplaster voller alter Klobecken in der Einfahrt zu stehen. Nee, da ist mir das so doch schon lieber. :p Den Karton konnten wir einfach ungeöffnet entsorgen. Ihr drittes Geschenk war eine Hochzeitstorte aus Gips, in die ihr Geldgeschenk betoniert war. Keine Ahnung, wie wir dem zuleibe rücken, aber das Teil sieht zumindest ziemlich witzig aus.
    Irgendwann zwischendurch fiel mir auch noch auf, dass sich Rosen in meinen Brautstrauß geschlichen hatten, obwohl ich eigentlich gar keine bestellt hatte. In der Eilaktion beim Fotografieren und der ganzen Eheschließerei im Anschluss hatte ich ihn mir gar nicht so richtig angesehen… :rotwerd: Er war aber trotzdem richtig schön. Und auch das Baby-Sträußchen (statt Myrtenkranz) sah sehr niedlich aus. Wenn er mir auch ohne Rosen besser gefallen hätte…

    Als nächstes hatte Martins Schwester Kristina ein Spiel vorbereitet, das für den vorläufigen Stimmungshöhepunkt sorgte: Ein Sächsisch-Quiz. Sie verteilte Fragebögen und Stifte, und jeder Gast musste dann Fremdworte wie „Rahdscho“ (Radio) und „Bieramidngerdse“ (Pyramidenkerze) übersetzen. Der ganze Saal war echt am Grölen! Für die meisten richtigen Antworten gab es natürlich auch die obligatorischen Preise: das dreiteilige Reisetaschenset (drei Plastiktüten), das Essen für zwei (eine Dosensuppe) und die wunderschöne Obstschale (Bananenschale).
    Irgendwann, ich glaube auch zwischen Essen und Nachtisch, hat Gesa noch die Hochzeitszeitungen verteilt. Die ist sooo gut geworden! Ich weiß, dass sie daran echt Stunden und Stunden gesessen hat, und es hat sich wirklich gelohnt! Ihr ist eine tolle Mischung zwischen persönlichen Artikeln und allgemeinen Lustigkeiten gelungen. Die zwangsläufigen Kinder- und Paarfotos sind drin, ein Ehe-Eignungs-Test, den sie sich selber ausgedacht hat, eine Kalorienverbrauchstabelle bei verschiedenen Aktivitäten wie Hausarbeit, Küssen und Sex, verschiedene Sprüche und Weisheiten, und vor allem lustige Reportagen. Unsere Kennenlerngeschichte hat sie aufgeschrieben, Anne hat über so manchen Schwank aus unserer Jugend berichtet, es gab Fotos von Martins JGA und eine – ehrlich gesagt sehr uninteressante – von Martins Kumpel geschriebene Anekdote aus seiner Jugend. Alles in allem wirklich absolut überdurchschnittlich klasse!


    1: Herzbild auf etwa halber Strecke
    2: Die Hochzeitszeitung wird verteilt (im hintergrund Gesa, Mama und Louise)
    3: Wer hat immer Recht?

  10. #10
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    Tanzen und so

    Dann kam erst der Nachtisch, und schließlich durfte endlich der DJ ran. Da Martin Tanzen hasst, hatten wir abgesprochen, dass wir es einfach so machen wie in der Tanzstunde, wo wir uns ironischerweise kennen gelernt haben. Alle Männer mussten sich auf der einen Seite der Tanzfläche aufstellen, alle Männer ihnen gegenüber. Dann setzte unser Tanzschullied ein (dieses „I’m blue, dabadie dabadau…“), alle gingen aufeinander zu und tanzten, ohne dass Braut und Bräutigam alleine auf der Tanzfläche sein mussten. Das funktionierte eigentlich ganz gut. Danach allerdings legten die beiden DJs nur noch furchtbare Schlager auf, und, als Mama einen Wienerwalzer verlangte, sogar die Wildecker Herzbuben! Danach kam glücklicherweise eine Pause, und ich konnte die beiden wieder einnorden. Ich frage mich, wieso wir überhaupt dieses Vorgespräch geführt haben! Danach war’s aber besser, ein bisschen Oldie-Evergreen-mäßig mit vereinzelten erträglichen Schlagern. Getanzt wurde anfangs sehr verhalten, denn die alte Generation (meine vielen Großonkel und –tanten) konnten gesundheitlich nicht mehr so, und die Jungen waren noch nicht betrunken genug, um ihren mangelnden Schrittfolgekenntnissen zum Trotz zu tanzen. Daher ließ der DJ zwischendurch immer wieder längere Pausen, in denen teilweise weitere Spiele gespielt wurden. Kristin und Stephan hatten das unumgängliche, aber eigentlich ganz witzige Spiel vorbereitet, bei dem Braut und Bräutigam sich Rücken an Rücken setzten und auf Fragen wie „Wer parkt besser ein?“ und „Wer hat immer Recht?“ Schilder mit „Lena“ oder „Martin“ hochhalten mussten. Bei den objektiven Fragen antworteten wir immer übereinstimmend, nur bei der Recht-Frage und Wunschdenken-Fragen wie „Wer steht morgen als erstes auf, um Janis zu versorgen?“ waren wir unterschiedlicher Meinung.
    Dann gab es irgendwann noch ein Tanzspiel, bei dem möglichst alle Paare tanzen mussten, während ein roter Regenschirm mit baumelnden Herzen herumgereicht wurde. Wenn die Musik stoppte, musste das Paar, das den Schirm gerade hielt, ein Herz abreißen und vorlesen, welche Aufgabe dort geschrieben stand. Es waren zwölf nette Sachen, für jeden Monat eine, z.B. „Martin und Janis hüten, damit Lena sich einen netten Abend machen kann“, „Einen Kuchen backen“, „Zum Essen einladen“ und lauter solche Dinge. Ich hoffe sehr, die Leute denken zu besagten Zeitpunkt daran! :p
    Unser Küken schlief derweil schon selig in seinem Reisebettchen, das wir im Nebenzimmer aufgestellt hatten. Etwa alle zehn Minuten sah jemand nach ihm, denn hören konnte man ihn bei der Musik wirklich nicht.
    Ganz langsam kam Bewegung in die jungen Leute, und nach und nach traute sich immer mal wieder wer, die Braut zum Tanzen aufzufordern. Die Initialzündung war einer von Martins Kumpels, der mal Turniertänzer war. Mit ihm zu tanzen hat ehrlich voll Spaß gemacht! War eine ganz neue Erfahrung für mich… Martin unterhielt sich derweil mit den ganzen Männern an der Theke, musste sich also auch nicht einsam fühlen. Irgendwann wollte ich mal zu ihm und irgendwas besprechen und bat ein paar Freunde, gerade mal zur Seite zu treten, dass ich zu „meinem Mann“ könnte. Das war das erste Mal, dass ich diese Wendung benutzte, und es fühlte sich sehr seltsam an, dass die nun tatsächlich den Tatsachen entsprach…
    Auf der Tanzfläche jedenfalls hatte ich echt eine Menge Spaß! Das war eine der vielen „besten“ Sachen des Tages.
    Irgendwann habe ich auch noch einmal um das Mikrofon gebeten und mich offiziell bei Gesa und Anne für die viele Arbeit und Mühe bedankt, die sie in unsere Feier investiert haben. Als klitzekleines Dankeschön überreichten wir jeder ein kleines Körbchen mit Entspannungs-Utensilien wie Badeöl, Duftkerzen, Tee, einen Piccolo und so weiter.
    Schwuppdiwupp war es Mitternacht, und Mama bestand auf einem Schleiertanz. Leider kam der Haupt-DJ aus dem Westfälischen und kannte nur die Version mit dem Geldreinwerfen. Da in Schaumburg aber traditionell die Reiß-Variante praktiziert wird, hatte niemand Geld dabei. Alle suchten in ihren Jackett- und Handtaschen verzweifelt nach Kleingeld, um mich und den leicht verärgerten Martin schnellstmöglich zu erlösen. Nachdem wir magere acht Euro eingenommen hatten, kam irgendjemand zum Glück auf die glorreiche Idee, den Instruktionen des DJs zum Trotz einfach mit dem Reißen zu beginnen.
    Nun, da wir dieses Hindernis hinter uns hatten, konnte ich meinen Brautstrauß werfen. Alle ledigen Damen stellten sich im hinteren Teil des Saals auf, ich mit dem Rücken zu ihnen. Werfen ist nie meine Stärke gewesen. Schon in der Grundschule ist mein Sportabzeichen daran gescheitert. Ich hatte vor, den Strauß mittig, aber in die hinteren Reihen zu werfen. Auf keinen Fall sollte er Anne treffen, die ich vorne rechts hinter mir an ihrer Stimme erkannte, denn sie ist ganz gewiss die letzte, die heiraten wird. Es gab viel wahrscheinlichere Kandidatinnen, deren Heiratsabsichten sich im Laufe des Abends verfestigt hatten. :p Ich gab mir also alle Mühe, die Blumen hoch und weit und mittig zu werfen. Natürlich aber trafen sie Anne, die tatsächlich ganz vorne in der ganz rechten Ecke stand. :rotwerd: Einen Moment noch zerrten Anne und Tina, eine von den bereits Verlobten, an dem Strauß, dann setzte Anne sich gewohnt souverän durch und hielt ihn in Siegespose in die Höhe. Ach ja, kleiner Tipp am Rande an alle, die’s noch vor sich haben: Denkt in diesem Moment nicht nur ans Werfen, sondern auch ans Gutaussehen! Sonst seht ihr auf dem obligatorischen Foto aus wie ich… :p

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