... Ja, so war es wirklich. Hier kommt jetzt der von euch ersehnte Bericht - Achtung ist recht lang geworden.
Die Nacht vorher haben wir beide ganz normal gut geschlafen - was mich total überrascht hat.
Nervös war ich eigentlich gar nicht, aber das Frühstück viel doch etwas spartanischer als sonst aus: Soll heißen, ich habe von meinem Brötchen einmal abgebissen und war noch vor dem Kauen richtig satt. Mehr habe ich leider echt nicht runter gekriegt.
Dann waren meine Eltern etwas zu zeitig hier, was mich leicht unter Druck gesetzt hat, haben mich eingesammelt und zum Friseur gefahren. Gut, dass ich dabei war, sonst wäre mein Papa völlig falsch gefahren. Es gibt in Berlin ja schon ein paar Straßennamen mehrfach, so dass man sich nach der Postleitzahl erkundigen sollte und diese dann auch im Navi eingeben sollte - aber sagt das mal meinem Papa.
Hat ja nun alles doch geklappt und meine Mama und ich wurden am Friseur abgesetzt und das Styling ging los. Meine Mama hat dann zwischendurch auch mal eine Flasche Sekt aus der Tasche gezaubert und ich konnte mir erstmal Mut antrinken... Naja, ein Gläschen habe ich getrunken.
Nachdem die Haare und das Make-up fertig waren, hätte so langsam mal meine Trauzeugin mit meinem Kleid auftauchen können! War aber noch nicht da. Da wurde ich dann doch etwas nervös.
Dann habe ich meinen Mann erstmal angerufen, weil er noch irgendwas mitnehmen sollte und ich wissen wollte, ob meine Trauzeugin ihren Mann (den Trauzeugen von meinem Mann) schon bei uns zu Hause abgesetzt hat - dem war nicht so. Die Nervosität stieg.
Aber noch bevor ich meine Trauzeugin anrufen konnte, kam das Auto schon um die Ecke (ich stand vor dem Friseur, da ich drinnen keinen Empfang hatte).
Aber sie hatte ja ihren Mann noch dabei. Gut erstmal Kleid ausgeladen und dann hat sie Ihren Mann zu meinem gefahren. Ich habe mich währendessen mit der Hilfe meiner Mama umgezogen und dann kam meine Trauzeugin auch schon wieder und wir sind dann zu dritt wieder abgefahren und waren überpünktlich (fast 1 Stunde vor der Trauung) am Ziel - und das trotz Umleitung, Baustelle und Tankpause.
Gut dann hatte ich also noch eine 3/4 Stunde Zeit in einem Nebenzimmer nervös auf und ab zu laufen - eigentlich war ich gar nicht so nervös und die Zeit verging schnell.
In der Zeit waren auch kurz mein Papa und unser Trauzeuge noch mal da und ich durfte schon die ersten Komplimente einsacken, wie toll ich denn aussah.
Dann hat mich mein Papa abgeholt und mich bis zu Tür d. Trauzimmers gebracht und dort an meinen Mann übergeben, der erstmal sprachlos war.
Tja, dann kam das, worum es denn den ganzen Tag ging: wir wurden getraut. Der Standesbeamte hat das gut gemacht: locker und mit ein wenig Humor - alles in allem genau richtig. Und dann war die Trauung auch schon wieder vorbei.
Wir sind also wieder raus und haben alle ein Gläschen Sekt in die Hand bekommen. Und jetzt hat sich dann doch der Hunger bei mir breit gemacht - es war 14:30 und ich hatte den ganzen Tag noch nichts außer einem kleinen Bissen belegtes Brötchen gegessen - aber Essen stand noch nicht auf dem Programm.
Wir wurden von allen Seiten beglückwünscht und mit Komplimenten überschüttet - ach das könnte ich jeden Tag haben.
Nach dem Sekt haben wir noch Gruppenfotos geschossen und die Verwandtschaft dann schonmal wieder rein geschickt, so dass die schon mal Kaffee trinken konnten und sich nicht langweilen mussten - zumal es ca. 12-15 Grad waren und die ja alle nicht warm angezogen waren.
Wir haben dann noch mit der Fotografin romantische Fotos gemacht, die ganz toll geworden sind!
Danach gab es dann endlich was zu Essen: Kaffee und Kuchen auch für das Brautpaar - viel davon essen konnte ich aber trotzdem nicht.
Es dauerte nicht lange und wir sind in unseren eigentlichen Saal umgezogen, wo schon für all unsere Gäste eingedeckt war.
Wenig später ging es auch los: die ersten Gäste erschienen und dann kamen immer mehr. Auch hier wieder Glückwünsche und Komplimente (Geschenke gab es auch...).
Irgendwie verging auch hier die Zeit wieder total schnell und bald darauf wurde schon das Buffett eingerichtet - aber im Nachbarzimmer, so das wir davon nicht viel mitbekommen haben. Wir hatten uns inzwischen alle an unseren Plätzen versammelt und mein Papa hat eine ganz liebe Rede gehalten - und ich hatte Tränchen in den Äuglein - meine Eltern haben jetzt ein Kind mehr.
Mein Mann hat dann das Buffett eröffnet - man war das lecker - und man war das doof, dass ich nicht wirklich was davon essen konnte. Warum weiß ich auch nicht.
Irgendwann kam dann unser Eröffnungstanz. Das Üben hat sich gelohnt und wir haben das ganz gut hingekriegt. Danach wurde teilweise noch weitergetanzt – aber mal ehrlich viele haben nicht getanzt. Das war uns aber vorher klar, da wir kaum tanzfreudige Verwandte und Freunde haben.
Später gab es dann ein paar lustige Spiele:
Fragen beantworten, indem man den Brautschuh oder den Schuh des Bräutigams hebt. Mein Mann: „Na sauber ist der Schuh aber nicht mehr!“ Warum ist keine große Frage, da es selbst mir beim Tanzen auf die Schuhspitzen getreten ist. Jedenfalls waren wir richtig gut – 18 von 20 Übereinstimmungen.
Männerwaden durfte ich auch noch anfassen – das war eigentlich eines der Spiele, die ich nicht wollte. Augen zu und durch. Ich kann sagen: Männerwaden fassen sich alle ziemlich gleich an: Mal mehr Muskeln, mal mehr Speck und gekräuselte Haare drauf. Ich habe auch meinen eigenen nicht gefunden. Eigentlich hat der eine kahle Stelle an der Wade, aber ich vermute mal, er hat mir das andere Bein hingehalten.
Andersrum gab es das dann auch noch, zwischen den Frauen ein Mann – lustig. Naja, wenn das Brautkleid so raschelt wie meins, dann ist das nicht weiter schwer, seine Frau zu erkennen.
Außerdem gab es noch eine Extra-Mini-Wäscheklammer, die mein Mann (mit verbundenen Augen) an meinem Kleid finden sollte. Ich hatte einen ziemlich gewagten Ausschnitt und da wurde die auch befestigt. Ich dachte noch, das ist ja einfach, aber er hat sich nicht getraut und erst den Rest des Kleides abgesucht.
Eine Lotterie gab es noch, um unsere Flitterwochen zu bezuschussen. Verlost wurden mehrere Geschirrspüler (Haushaltsschwamm), Streichinstrumente (Pinsel) Candle-Light-Dinner (Tütensuppe und eine Kerze) und so weiter.
Eine Brautentführung gab es auch: Ich war gerade draußen ein bissl frische Luft schnappen – nein, nicht Rauchen. Da kam unser Trauzeuge, ich soll noch mal ein stück mitkommen, er würde gern noch ein paar Fotos machen, hat er auch. Kaum war ich drei Schritte von der Terrasse runter, wird mir einiges klar. Er meint noch, er macht noch mal Fotos mit ein paar netten Männern und schwubs hatten sich rechts und links je ein Mann untergehakt und mich Richtung Auto geleitet. Was sollte ich machen, wir waren schneller weg, als man kucken kann. Mein Mann wurde übrigens auf ähnliche Weise mit zwei Frauen abgelenkt.
In einer Kneipe, wirklich 200m weiter haben wir dann schon wieder gehalten und dort für das Highlight der Saison gesorgt. Die Männer da hatten echt Spaß an der ganzen Aktion. Es waren aber keine Hardcore-Säufer oder so, war also echt witzig da.
Mein Mann ließ nicht lange auf sich warten, musste die Runde dort bezahlen (die Lotteriekasse für die Flitterwochen wurde geplündert) und vor mir auf die Knie gehen und mir eine Liebeserklärung machen – aber mal ehrlich, das kann er eigentlich besser. Naja, vielleicht lag es am Publikum. Jedenfalls durfte er mich wieder mitnehmen.
So, dann war ja schon fast Mitternacht und es kam die lang ersehnte Hochzeitstorte – mit Schokolade-, Erdbeer- und Marzipanfüllung … saulecker!
Im Anschluss wurde noch gequatscht und so weiter, aber gerade die „älteren“ Gäste haben sich dann verabschiedet und langsam auf den Weg ins Bett gemacht.
Auch der Rest der Gesellschaft löste sich dann irgendwann nach und nach auf. Wie spät das war, kann ich gar nicht mehr sagen.
Wir sind dann auch nach Hause und erschöpft ins Bett gefallen.
Alles in allem: der Tag war einfach perfekt!



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