Heiligabend 2009 haben mein Freund und ich (wie gewohnt) zu zweit verbracht. Familientour machen wir immer am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag, aber Heiligabend verbringen wir immer zu zweit. Mit 3-Gänge-Menü, Bäumsche und Bescherung. Ich verbring zwar Stunden inner Küche, aber das gehört dazu
Wir hatten schon oft übers heiraten gesprochen und wir wußten beide, dass wir auf jeden Fall heiraten werden. Aber die Frage kam halt nie, was mich etwas traurig gestimmt hat. Aber David plant halt nicht gerne. Das kenne ich und finde mich damit ab - er braucht halt immer n bissl länger für Entscheidungen
Jedenfalls, Heiligabend. Wir haben Bescherung gemacht, Geschenke ausgetauscht, alles tutti. Wir saßen auf der Couch und haben den Abend Revue passieren lassen und grad ne Flasche Champagner aufgemacht, da meint er plötzlich "Ich hab noch ein Geschenk für dich", hält die Hand auf und dann liegt da ein Ring. Ein Ring! Und nicht irgendeiner, sondern ein Claddagh-Ring!
Irgendwann hatte ich ihm mal erzählt, dass, wenn er jemals um meine Hand anhält, er dies mit einem Claddagh-Ring tun soll. Das ist ein irischer Ring, um den sich eine Legende rankt: Ende des 17. Jahrhunderts lebte in Claddagh ein Mann, der kurz vor seiner Hochzeit auf Handelsreisen von Piraten entführt und an einen maurischen Goldschmied als Sklave verkauft wurde. Er hat das Handwerk schnell gelernt und in Sehnsucht nach seiner Verlobten einen bestimmten Ring geschmiedet: den Claddagh-Ring.
Nach langen Jahren wurde er freigelassen, als die Briten 1689 eine Vereinbarung mit den Mauren schlossen wobei alle gefangengehaltenen Briten wieder zurückkehren durften. Er kehrte nach Irland zurück und seine Verlobte hat tatsächlich die ganze Zeit auf ihn gewartet.
Jedenfalls, dort saßen wir, er mit dem Ring in der Hand, ich mit dem Unterkiefer irgendwo auf meinen Knieen. Ich hab nichts gesagt, ich konnte nicht. Ich hab erstmal angefangen zu heulen, wie es sich gehört. "Na willst du ihn nicht?" hat er lachend gefragt (sowas von überhaupt kein Romantiker) und ich war immernoch total durch den Wind. "Du mußt mich aber auch fragen!" hab ich grad so rausgebracht, zwischen Grinsen und Tränchenkullerei. "Willst du meine Frau werden?" fragte er, und als ich Ja sagte und er mir den Ring angesteckt hat wars mit den eisernen Nerven natürlich völlig vorbei
Der Ring war übrigens viiiiel zu groß, weil er, als er den Ring kaufen wollte, keinen passenden Ring von mir zum vergleichen gefunden hat und meine Schwester um Rat gefragt hat - die allerdings auch keine Ringe am Ringfinger trägt und dann wurde es ein Ring, der... naja... den ich fast als Krone hätte tragen können
Lies sich zum Glück enger machen (er wollte mir doch tatsächlich einen NEUEN kaufen, aber nee nee nee, das kommt ma gar nicht in die Tüte, dass ich den Ring wieder eintausch
).
Die nächsten Tage schwebte ich nen gefühlten halben Meter über dem Boden. Und am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag machten wir tatsächlich ne Familientour mit freudiger BotschaftSeine und meine Schwester (die unsere Trauzeugen werden) waren vorher eingeweiht, unsere Eltern nicht. Überrascht war aber keiner - gefreut haben sich alle
Am meisten aber natürlich wir, und das tun wir seither auch jeden Tag.
In gut sieben Monaten geben wir uns das Ja-Wort

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